
AD(H)S
Manchmal arbeitet das Gehirn anders. Das kann vieles schwerer machen - bringt aber auch Vorteile mit sich.
Was sind „ADHS“ und „ADS“ überhaupt?
Während ADHS für AufmerksamkeitsDefizit-/Hyperaktivitäts-Störung steht, ist bei einer ADS die Hyperaktivität weniger stark ausgeprägt. Wie der Name bereits vermuten lässt, geht es bei dieser Diagnose vor allem um Schwierigkeiten in der Aufmerksamkeit und Konzentration.
Kinder und Jugendliche – aber genauso auch Erwachsene, da AD(H)S in jedem Alter auftreten kann – verarbeiten Informationen anders. Das kann zu einigen Problemen führen: impulsives Verhalten, Schwierigkeiten mit Eltern und Freunden, schlechtere Ergebnisse in der Schule und vor allem auch ein starker innerer Druck.
Aber AD(H)S hat auch eine andere Seite, so sind viele Betroffene besonders kreativ und empathisch. Bei Dingen, die sie interessieren, können sie eine Art „Superfokus“ entwickeln und finden so neue Ansätze und Ideen, an die andere bisher noch nicht gedacht haben.
Woher kommt AD(H)S?
Bis heute konnte nicht eindeutig geklärt werden, wie AD(H)S entsteht. Oft wird sie auf eine veränderte Funktionsweise im Gehirn zurückgeführt, die sich von einem Mensch zum nächsten allerdings so stark unterscheiden kann, dass sie nicht genau nachgewiesen werden kann. Wissenschaftler*innen vermuten eine Mischung verschiedener Einflüsse:
Genetische Faktoren: Der erbliche Einfluss könnte die größte Rolle bei der Entwicklung von AD(H)S spielen. Dadurch verändert sich bspw. die Wirkung von verschiedenen Neurotransmittern (= Botenstoffe im Gehirn), wie z.B. Dopamin.
Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen: Diese wirken oft nur in Kombination mit genetischen Faktoren.
Umwelteinflüsse: Familiäre und schulische Bedingungen lösen AD(H)S zwar nicht aus, können den Verlauf aber deutlich mitbestimmen.
Woran erkenne ich AD(H)S?
Das Kinder und Jugendliche manchmal mehr Energie haben oder es ihnen schwerer fällt, sich zu konzentrieren, ist natürlich ganz normal. Schwierig wird es, wenn diese Anzeichen deutlich stärker ausgeprägt sind als bei Gleichaltrigen und dadurch soziale Beziehungen, das Schulleben und ganz allgemein der Alltag negativ beeinflusst werden.
Wie stark und in welcher Form die AD(H)S ausgeprägt ist, ist dabei so individuell wie das Kind selbst, Übergänge sind meist fließend. Oft kommt es aber zu Auffälligkeiten in diesen Kernbereichen:
Unaufmerksamkeit:
Angefangene Aufgaben werden nicht zu Ende gebracht bzw. es fällt sehr schwer
Man lässt sich sehr schnell ablenken
Die Konzentration hält nur für kurze Zeit an
Viele Flüchtigkeitsfehler
Schwierigkeiten vor allem bei Aufgaben, die durch jemand anderes vorgegeben werden, z.B. Hausaufgaben
Hyperaktivität:
Ruhelosigkeit, starkes Zappeln
Aufstehen beim Essen, im Unterricht, …
Bevorzugen von Spielen, in denen man aktiv wird (z.B. laufen, klettern)
Bei Jugendlichen öfter innere Anspannung und Unruhe
Impulsivität:
Unüberlegtes, vorschnelles Handeln und Entscheiden
Konsequenzen werden nicht bedacht
Unterbrechen des Gegenübers, Reinrufen von Antworten, Bearbeiten der Aufgabe ohne die Aufgabenstellung zu lesen
Eine AD(H)S kann nicht nur zu sozialen und schulischen Probleme führen, sondern ist für viele Kinder und jugendliche auf Dauer auch eine psychische Belastung. Deshalb ist es umso wichtiger, auch diesen Bereich im Blick zu haben, damit bei aufkommenden Ängsten schnellstmöglich geholfen werden kann.
Eine Testung auf AD(H)S kann bei Kinder- und Jugendpsychater*innen und -psycholog*innen durchgeführt werden. Die Diagnostik basiert auf klaren Leitlinien und ist meist sehr umfangreich. Sie besteht aus verschiedenen Untersuchungen und Gesprächen, in denen das Verhalten, aber z.B. auch die körperliche Gesundheit getestet wird.
Worauf kann ich zu Hause achten?
Wenn ein Kind oder ein Jugendlicher oft unkonzentriert oder sehr impulsiv ist, kann das auch die Eltern stark belasten. Oft möchte man helfen, aber dabei ist es schwierig, den richtigen Weg zu finden. Erst einmal: Ihr seid nicht an den Schwierigkeiten Eures Kindes schuld. Und es ist vollkommen okay, wenn Ihr nicht immer “perfekt” auf die Schwierigkeiten Eures Kindes reagiert - das ist so gut wie unmöglich. In vielen Familien wird der Bereich “Schule” dann auch schnell einmal zu einem zentralen Streitthema.
Die wichtigste Hilfen, die Ihr Eurem Kind als engste Bezugsperson geben können, sind Verständnis und Rückhalt. Ihr könnt mit Eurem Kind offen darüber reden, was eine AD(H)S ist und welche Auswirkungen sie hat. Am allerwichtigsten ist es, dem Kind deutlich zu machen, dass:
eine AD(H)S nicht bedeutet, dass das Kind krank ist
das Kind trotzdem noch genauso wertvoll ist, wie vor der Diagnose
die AD(H)S zwar eine Herausforderung ist, aber dass Ihr Kind das zusammen mit Ihnen (und möglicherweise einer*einem Lerntherapeut*in) schaffen wird
So könnt Ihr Eurem Kind schon viel Druck nehmen. Dabei ist es natürlich auch wichtig im Hinterkopf zu haben, dass sich eine Lerntherapie selten gleich im Schulerfolg widerspiegelt. Erinnert Euer Kind auch gern daran, was es gut kann und fördert diese Stärken. Weitere, individuelle Unterstützungsmöglichkeiten können wir gern in der Lerntherapie besprechen. Und auch falls Ihr den Wunsch habt, euch Eure Sorgen von der Seele zu reden, könnt Ihr gern jederzeit mit uns sprechen.
Wusstet Ihr schon, dass...
… sich Menschen mit AD(H)S bei einer interessanten oder spaßigen Aufgabe oft besonders gut konzentrieren können und Ideen finden, an die bisher niemand gedacht hat
… ADHS eine der häufigsten psychiatrischen Diagnosen ist und in jedem Alter auftreten kann
… es sehr viele bekannte Menschen mit AD(H)S gibt: Simone Biles, Justin Bieber, Greta Thunberg, Will Smith, Emma Watson, Robin Williams und noch viele viele mehr – einige Wissenschaftler*innen gehen davon aus, dass eventuell sogar Leonardo Da Vinci eine AD(H)S gehabt haben könnte